Drei Fragen an… Hannah Engelmann


Was machst du, wenn du nicht gerade das utopival mit deinem Talent bereicherst?hannah

Außerhalb des Utopivals bereibe ich fröhliches Politprojekthopping in den Themenbereichen Tierbefreiung, Kapitalismus- und Gesellschaftskritik, Weißsein und Rassismuskritik, Geschlecht und Queerfeminismus. Mich beschäftigt auch die Frage, wie Menschen langfristig politisch aktiv bleiben können und dabei bei allem intensiven Engagement nicht an Überlastung scheitern. Und, damit einhergehend, wie wir einen solidarischen Umgang mit Repression und anderen staatlichen Stolpersteinen finden können.

Wenn deine Utopie für eine Gesellschaft von morgen schon heute lebendig wäre, dann…

…dann wäre unsere Gesellschaft von Miteinander geprägt. Die Produktionsstätten würden von den Arbeiter_innen in Kooperation mit Räten besessen und organisiert, und die oberste Maxime wären die Befriedigung von Bedürfnissen und Wünschen bei Vermeidung von Zerstörung und Leid. Die Güter würden frei und gerecht ausgetauscht, ohne dass Profit entstünde. Unabhängig von Leistung oder Arbeit würden die Grundbedürfnisse aller Menschen gedeckt, sodass Freiräume für Engagement und Kunst, Philosophie und Müßiggang entstünden. Klimafreundliche, öffentliche Verkehrsmittel würden den Menschen volle Bewegungsfreiheit ermöglichen, ohne Ausschlüsse durch Kosten oder Grenzen. Anstelle von Zwang, Druck, Angst und internalisierte Selbstbeherrschung träten Freude, Lust, Neugierde und Solidarität mit der Gemeinschaft als die wesentlichen Triebfedern menschlicher Aktivität.

Welche ganz praktischen 4 Schritte dahin gibt es, die jede*r im Alltag umsetzen kann?

a) Laufe keine fünf einfachen Schritte ab, die irgendeine Ratgeberin Dir vorgibt. Nimm ihre Anregungen und mach was eigenes draus, diskutier’s mit Deinen Leuten und entwickle es weiter – oder lass es liegen.

b) Trau Dich, aus verkrusteten Strukturen auszubrechen und dem inneren Polizisten, der in unseren Köpfen herumspukt, ein Schnippchen zu schlagen.

=> Frage Dich ab und zu: Mache ich das, weil es üblich, gut für den Lebenslauf und für meine Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt ist – oder, weil ich glücklich darauf zurückblicken werde, wenn ich mein Leben reflektiere?

c) Finde Leute, die für Dich da sind und sei für Andere da, wenn der innere Polizist zurückschlägt (oder auch der äußere).

=> Vielleicht findest Du ja eine Radical Peer Support Gruppe, eine Ortsgruppe der Roten Hilfe, Bunten Hilfe, des Anarchist Black Cross in Deiner Nähe – oder kannst eine gründen.

d) Beteilige Dich an Projekten, Protesten und Bewegungen, die drängende Fragen in einem gesellschaftlichen Rahmen stellen und die Verhältnisse zum Tanzen bringen.

=> Geh’ doch mal wieder auf die Straße, beteilige Dich an Soli-Aktionen für die sozialen Bewegungen in Europas und im globalen Süden, mach’ mit bei einer Willkommensinitiative für Geflüchtete, kämpfe für ein bedingungsloses Grundeinkommen oder gegen Naturzerstörung in Deiner Gegend.

e) Finde Punkte, an denen gesellschaftliche Probleme und das persönliche Alltagsleben zusammentreffen (es gibt so viele!), und überlege Dir, wie Du Deine Handlungsspielräume hier nutzen und erweitern kannst.

=> Woher kommt mein Essen? Gibt es vielleicht eine Solidarische Landwirtschaft, die ich in der Gegend unterstützen kann, oder einen Hof mit bioveganem Landbau? Wie verbringe ich die Arbeitswoche – kann ich mich mit den Kolleg_innen im Betrieb vernetzen und gewerkschaftlich für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, oder mich mit Genoss_innen zusammenschließen und einen Kollektivbetrieb aufbauen? Wohnst Du in einer Großstadt oder an einer Ländergrenze und siehst oder erfährst oft rassistische Polizeikontrollen? Wie könnte mensch sich kollektiv dagegen wehren?